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Sonntag, 26. Juli 2009

Flatruet und Ljungdalsberget

Zwei Spaziergänge auf Schwedens höchst befahrenen Pass und auf Ljungdalens Hausberg

Ein heftiger Wind und Regenwetter wecken uns. Heute steht unser Entschluss fest - wir versuchen morgen die Tour auf den Sylana und brechen gleichzeitig nach Norwegen auf.

Um die Mittagszeit machen wir uns auf den Weg zum Flatruet (975 m). Hier heißt es Windjacke fest zuschnüren - es weht nämlich ein wirklich heftiger kalter Wind. Wir spazieren einen der vielen flachen steppenartigen Wanderwege entlang und hoffen auf einige Rentiere - die uns aber leider verwehrt bleiben. Die Samen, eine skanidavische Minderheit, haben sie nämlich in Richtung Norden getrieben, um die Jungtiere zu markieren.

Auf unserer Rückfahrt machen wir einen Abstecher zu Ljungdalens Badesee, wo auch der Wanderweg zum Ljungdalberget wegführt. Wir spazieren über Sumpfboden und durch Birkenwälder etwa eine halbe Stunde leicht ansteigend hinauf zum Hausberg mit seinem kleinen Biwak und genießen die wirklich schöne Sicht auf Ljungdalen. Auf unserem Rückweg können wir drei kleine Rebhühner beobachten. :)

Ljungdalens Almen

Gemütlicher Abendspaziergang mit Kurt

Am späten Nachmittag helfen wir Kurt, die Kanus von Skärkdalen nach Kläppen zu transportieren. Die Fahrt endet damit, dass wir nach einer spektakulären Cruistour durch Schlamm und Matsch zu einem wirklich idyllischen Ort in Ljungdalens Nähe kommen, wo uns Kurt die Alm seiner Großeltern, einen Bibernistplatz und die Plätze seiner Jugend zeigt.

Samstag, 25. Juli 2009

Krankmårtenhögen

Spaziergang zu einem Gräberfeld aus der frühen Eisenzeit

Reeeegen, Reeeegen, Reeeegen - unsere Stimmung ist mittlerweilen grau wie das Wetter und wir überlegen ernsthaft schon früher in das sonnenstrahlende Südtirol heimzukehren, oder zumindest unsere Fahrt nach Norwegen früher als geplant anzutreten - auch wenn wir die Tour auf den Sylana umbedingt noch machen wollen.

Am späten Nachmittag lässt der Regen wieder etwas nach und wir fahren nach Störsje und kurz auf der Hauptstraße weiter in Richtung Svenstavic bis rechterhand eine Schotterstraße zu den "Krankmårtenhögen" abzweigt. Dieser folgen wir bis zum See und parken unser Auto. Nun heißt es nur noch dem Wegweiser "Gravfält" etwa 500 Meter durch den Wald zu folgen und schon stehen wir am früheisenzeitlichen Grabfeld. Es gibt hier 40 Gräber, in denen sowohl Frauen als auch Männer unterschiedlichen Alters bestattet sind. Die Elch- und Rentiergeweihfunde an der Oberseite des jeweiligen Grabes lassen auf eine rituelle Bestattung deuten.
Auf der Rückfahrt nach Ljungdalen können wir zwei Kraniche bei ihren Streifzügen durch den Sumpf beobachten.

Der Kranich ist ein großer und majestätisch wirkender Zugvogel, der eine Länge von 114-130 cm und eine Spannweite von 200-230 cm erreicht. Er bewegt sich mit langsamen Schritten auf dem Erdboden und ist im Flug gewaltig, mit langen, gleichmäßig breiten Flügeln, einem schlanken gestrecktem Hals und lang ausgestreckten Beinen. Ihr Rufton sind sehr weitreichende, nasale und schnarrende "Trompetenstöße", die sich in einem "krrüi-krro, krrüi-krro" äußern. Besonders im Frühling führt er Tänze vor, springt mit erhöhten Flügeln, verbeugt sich tief, trompetet und stellt den Federbusch aus verlängerten Schirmfedern auf.
Der Kranich brütet spärlich in offenem und halboffenem Moor- und Sumpfgelände.

Wissenschaftliche Bezeichnung: grus grus
Englischer Name: Common Crane

Freitag, 24. Juli 2009

Anåfjället, 1301 m

Schöne Seen- und Gipfelwanderung nahe Funäsdalen

Regen und der Sylana in weiter Ferne. Wir fahren nach Funäsdalen und kaufen Essbares für die nächste Zeit ein. Als sich am Nachmittag die Sonne blicken lässt, beschließen wir eine kurze Wanderung am Anåfjället zu unternehmen.

Etwa 8 km nach Funäsdalen in Richtung Flatruet liegt rechts ein kleiner Parkplatz, wo wir unser Auto abstellen. Wir folgen den Wegweisern "Anäfjället" und "Annfjällstjärn" und wandern einen Forstweg, der uns über eine kleine Brücke führt, hinauf zum Weiler "Övre Lillåsvallen". Nun geht es einen schmalen gut markierten Waldweg mäßig steil empor zur Baumgrenze und weiter auf einen Grat, den wir überschreiten und taleinwärts auf einen nächsten zusteuern. Auch diesen überqueren wir und gelangen zum wunderschönen Bergsee Annfjälltjärn, den wir umrunden und einem Gipfel mit Steinmännchen entgegenwandern, von dem wir annehmen, dass es der Annfjället ist - erst als wir dort ankommen und die Karte herausziehen, sehen wir, dass unser Ziel noch vor uns liegt.


In leichter Kletterei geht es hinunter und taleinwärts zum Fuße des Annfjället und in einem 10minütigen Anstieg hinauf zum höchsten Punkt auf 1301 m.
Die Sicht auf den Blåstöten (1332 m), dem höchsten Gipfel des Anåfjället und auf die umliegenden Seen ist großartig. Kurz lässt sich auch ein Rentierbulle mit einem mächtigen Geweih blicken.
Nach einer ausgiebigen Gipfelrast treten wir den Rückweg an und können nahe Lillåsvallen einen recht zutraulichen Fuchs beobachten.

Höhenmeter: 550 m
Gehzeiten: Aufstieg 1 3/4 Stunden, Abstieg 1 Stunde

Donnerstag, 23. Juli 2009

Dunsjöfjället, 1291 m

Windige Seen- und Gipfelwanderung und unzählige Mückenstiche :(

Es regnet. Schon wieder. Frustriert machen wir uns auf den Weg ins Tourismusbüro, wo die aktuelle Wetterlage aushängt und die Prognosen der nächsten Tag sind wenig erfreulich: Regen, Regen, Regen. Den Sylana, den wir eigentlich noch besteigen wollen, fällt somit für die nächsten Tage ins Wasser - wir hoffen aber auf Wetterbesserung..
Als der Regen am Nachmittag etwas nachlässt, fahren wir mit dem Auto nach Torpet in Ljungdalen und marschieren etwa 100 Meter nach der Schranke (die Straße nach Nyvallen ist nämlich gebürenpflichtig) durch den Wald und über Sumpfboden in Richtung Baumgrenze. Die Mücken sind heute besonders aggressiv und wir haben schon im Gehen größte Mühe sie abzuwehren - geschweige dem im Stehen.
Weiter geht es über Moos, Zwergbirken, Moltebeeren und Flechten hinauf zum Dunsjöfällsskrevan-Grat, wo sich der Blick auf die Dunsjön-Seen öffnet. Der Wind bläst hier heftig und wir wandern zügig hinunter zum obersten See und steigen weglos hinauf zum Gipfel des Dunsjöfjället und seinen Steinmännchen. Der starke Wind lässt uns hier nur kurz verweilen und den Blick auf den Flatruet, den Helags und den Sylana und nach Norwegen genießen.

Für den Abstieg wählen wir die markierte Route (Schneeskootermarkierung und Wegweiser Ljungdalen folgen) am Dorditjärnen-See vorbei hinunter auf den Fahrweg und ein Stück hinauf nach Torpet und dem Auto.

Höhenmeter: ca. 600 m
Gehzeiten: Aufstieg 2 1/2 Stunden, Abstieg 1 1/2 Stunden

Mittwoch, 22. Juli 2009

Helags, 1797 m

Lange Wanderung auf den südlichsten Gletscher Schwedens und den gleichzeitig höchsten Berg Schwedens südlich des Polarkreises

Endlich ist es soweit. Sonnenschein weckt uns und es ist geradezu der perfekte Tag um unsere Tour auf den Helags in Angriff zu nehmen. Um 8.00 Uhr starten wir von Kläppen und wandern teils durch einen Birkenwald, teils über sumpfige Gebiete am Kesusjöng-See und am Kesubon vorbei hinauf zur Waldgrenze. Hier öffnet sich das Tal und der Blick auf den Helags in der Ferne.

Weiter geht es auf schmalem Steig an zahlreichen Seen vorbei und über Moose, Rentierflechten und Zwergbirken zur Helagsstugorna. Hier machen wir eine kurze Trinkpause und wandern anschließend mäßig steil in südlicher Richtung zum Helagsgletscher empor, umrunden diesen und gelangen zu einem Rentierzaun. Über Blockwerk (gut mit Steinmännchen markiert) gelangen wir schließlich zum Gipfel des Helags auf 1797 m mit seiner Holzpyramide und dem großen Steinmann.

Der Ausblick hier ist wunderbar. Er reicht über die weiten Ebenen Schwedens mit ihren zahlreichen Seen bis hin nach Norwegen sowie auf die umliegenden Berge: der nahe Predikstolen, der Sylarna im Nordwesten, der Stora Härjängsstöten im Nordosten, der Skarsfjället im Südwesten und der Flatruet im Südosten.

Den Abstieg nehmen wir über den Ostgrat des Helags vor, der uns zuerst über Steinplatten und Blockwerk (wiederum mit Steinmännchen markiert) und anschließend über grasbewachsene Hänge und Schneefelder zur Helagsstugorna zurückführt. Hier sollten wir uns eigentlich mit Kurt treffen, der mit dem Fahrrad kommen wollte - leider zwang ihn aber ein Platten frühzeitig umzukehren. Somit wandern Lia, Christoph und ich alleine den langen Weg nach Kläppen zurück.

Höhenmeter: 1000 m
Länge: 38 km
Gesamtgehzeit (ohne Pausen): 8 Stunden

Dienstag, 21. Juli 2009

Evagraven

Unterwegs zu Ljungdalens Canyon

Nachdem es gestern wie aus Kübeln gegossen hat und Kurt selbst den Tag als "the worsest day of the year" bezeichnet hat, sind wir nach Järpen und Östersund gefahren und haben uns im Lundhags-Shop etwas eingekleidet. Als Kurt am Abend zum Essen vorbeikam, hat er uns die frustrierende Nachricht übermittelt, dass es auch heute den ganzen Tag über regnen solle. Wir haben also unser Vorhaben den Helags zu erklimmen wieder verschoben und sind seinem Tipp gefolgt, uns Ljungdalens Canyon aus der Nähe anzusehen.
Von Ljungdalen fahren wir über den Flatruet und Mittådalen nach Messlingen und weiter zum kleinen Almdorf Ruvallen (hierher gebührenpflichtige Straße: 20 skr). Wir stellen unser Auto auf dem Parkplatz ab und wandern am Almdorf vorbei und durch einen Birkenwald in Richtung "Evagraven". Teils führt uns die Markierung über sumpfigen Boden, teils über einen festen Steig.

Am Evagraven angekommen durchwandern wir die Schlucht, die etwa 15 Meter hoch ist, bis zu ihrem Endpunkt und steigen dann zu einem Wegweiser auf. Weiter geht es weglos über Moos und Flechten hinüber zu einem Aussichtspunkt, der uns den Flatruet (Schwedens höchstgelegene Straße) im Nebelkleid und mit vielen kleinen und großen Seen gemustert präsentiert.
Zurück geht es bei starkem Wind auf der entgegengesetzten Seite des Evagravens.

Der Evagraven bildete sich im Verlauf der Schmelze des Inlandseises vor etwa 10.000 Jahren. Er ist eine der Überspülungsrinnen, die ausgewaschen wurden, als das Wasser der Eis-Seen in niedriger gelegene Flächen abfloss. Der Name "Evagraven" kommt der Überlieferung nach von einer samischen Frau, die auf einer Fahrt mit dem Rentierschlitten im Schneesturm umkam. Alle Canyons und Schluchten werden im Härjedalendialekt "graven" (Graben) genannt.

Höhenunterschied: gering
Länge: 5,7 km
Gesamtgehzeit: knapp 1 1/Stunden

 

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